Von funkelnden Masken über laute Kanäle bis zu prunkvollen Opernhäusern: Im Venedig des 17. Jahrhunderts verschmolzen Feierlust und Kunst zu einem neuen Kulturerlebnis, das die Musikgeschichte revolutionierte. Der Karneval wurde zur Geburtsstätte der Oper – ein Spektakel für Zehntausende, die aus ganz Europa in die Lagunenstadt strömten.

Wenn im frühen 17. Jahrhundert der Winter sich dem Ende zuneigte und Venedig in eine atemberaubende Maske aus Farben, Federn und Fröhlichkeit getaucht wurde, passierte etwas Außergewöhnliches: Unter den Fackeln und im Lachsalven-Gewirr des Karnevals wurde der Grundstein für das gelegt, was wir heute als Oper kennen. Nicht in einem Hof, nicht im stillen Salon einer aristokratischen Familie – sondern in den überfüllten Gassen, Theatern und Palästen einer Republik, die von Vergnügen, Geselligkeit und Musik beseelt war.
Schon zu dieser Zeit war der venezianische Karneval ein Magnet für die Menschen Europas: Schätzungsweise mehr als 60 000 Besucher strömten in der Saison nach Venedig, um Masken, Festlichkeiten und die Fülle an Unterhaltung zu erleben. Und nichts faszinierte die Besucher so sehr wie die musikalischen Inszenierungen, die sich bald den zentralen Platz im Vergnügungskalender eroberten.
In den venezianischen Palästen wurden bereits zuvor musikalische Szenen aufgeführt; doch erst mit der Öffnung der ersten öffentlichen Opernhäuser änderte sich alles. 1637 wurde das Teatro San Cassiano eröffnet — das erste Opernhaus, das nicht ausschließlich dem Adel, sondern der breiten Öffentlichkeit zugänglich war. Hier traf bürgerlicher Geschmack auf künstlerische Innovation, und der Karneval bot den perfekten Rahmen, um neue Werke zu präsentieren.
Claudio Monteverdi, heute einer der unumstrittenen Wegbereiter der Oper, schrieb Werke, deren Uraufführungen eng mit dieser ausgelassenen Saison verknüpft sind. Schon sein monumentales „L’Orfeo“, das 1607 zur Karnevalszeit in Mantua uraufgeführt wurde, gilt als eine der ersten Opern, die bis heute regelmäßig gespielt wird – und zeigt, wie sehr der Karneval und die früheste Oper miteinander verwoben sind. Später, in Venedig, entstanden etwa „Il ritorno d’Ulisse in patria“ und die berühmte Venezianische Karnevalsoper „L’incoronazione di Poppea“, die direkt für die Festzeit geschrieben und im Teatro Santi Giovanni e Paolo aufgeführt wurde. Diese Opern gehörten zu den ersten, die nicht mehr für Höfe komponiert wurden, sondern für ein zahlendes und neugieriges urbanes Publikum.
Doch Monteverdi war nicht allein: Sein Schüler Francesco Cavalli nutzte den Karneval ebenso brillant für seine kompositorische Entfaltung. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts prägte er als führender Opernkomponist die Gattung weiter, schrieb rund vierzig Opern — viele davon speziell für die venezianischen Karnevalssaisonen — und machte aus dem Musiktheater ein gesellschaftliches Ereignis, das zu den wichtigsten Unterhaltungsformen seiner Zeit gehörte.
Diese Opern, reich an Emotion, Dramatik und oft auch Humor, verwoben die alte Kunst des Erzählens mit einer neuen, sinnlichen Musiksprache — und sie lockten in der Karnevalszeit die unterschiedlichsten Menschen: Adlige, Händler, Reisende und Maskenliebhaber strömten in die prunkvoll beleuchteten Hallen, manche mit Chorleitern, andere mit der einfachen Sehnsucht nach Musik und Gefühl.
In Venedig avancierte der Karneval so nicht nur zu einem Fest des Vergnügens, sondern zu einem Geburtsort einer musikalischen Gattung, die sich von hier aus in ganz Europa ausbreiten sollte — und deren Wirkung bis heute in jedem Opernhaus hörbar ist.
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