Als Bach seine Fugen schrieb oder Mozart seine Klavierkonzerte komponierte, existierte das Akkordeon noch nicht. Und doch ist es heute von den Konzertbühnen nicht mehr wegzudenken. 2026 rückt dieses oft übersehene Instrument nun in den Fokus – denn: Das Akkordeon ist Instrument des Jahres 2026!

Es gibt Instrumente, die selbstverständlich zur klassischen Musik gehören – und solche, denen dieser Status lange abgesprochen wurde. Das Akkordeon zählt zu letzteren. Was lange als reines Volksinstrument galt, entpuppt sich heute als klangliches Multitalent: orchestrale Fülle, feine Polyphonie und eine überraschend lange Geschichte. 2026 steht das Akkordeon als Instrument des Jahres im besonderen Fokus der Musikwelt.
Das Akkordeon ist ein sogenanntes Handzuginstrument. Sein Herzstück ist der Balg, der beim Öffnen und Schließen Luft in Bewegung setzt. Diese Luft strömt an frei schwingenden Metallzungen vorbei und versetzt sie in Klang. Anders als beim Klavier oder der Orgel entsteht so der Ton also nicht durch Anschlag oder Wind aus einem festen Gebläse, sondern durch kontinuierliche Bewegung.
Gespielt wird das Akkordeon mit beiden Händen. Rechts befinden sich – je nach Bauart – Tasten oder Knöpfe für Melodie und Akkorde, links das Bass- und Begleitsystem, das vom einfachen Akkordspiel bis zu vollständig chromatischen Einzelstimmen reichen kann. Registerschalter erlauben es, dass sich Klangfarben flexibel kombinieren lassen – von einzelnen, klaren Stimmen bis hin zu orchestral verdichteten Klängen. So vereint das Akkordeon Eigenschaften von Orgel, Blasinstrument und Streichensemble in einem einzigen Instrument.
So modern das Akkordeon wirkt, so weit reichen seine klanglichen Wurzeln zurück. Das Prinzip der frei schwingenden Metallzunge, das seinen Ton erzeugt, findet sich bereits vor über 2.000 Jahren in China – im sogenannten Sheng, einem traditionellen Mundorgelinstrument. Über Handelswege und frühe musiktheoretische Neugier gelangte diese Idee der Klangerzeugung schließlich nach Europa, wo Instrumentenbauer im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert begannen, mit dem neuen Klangprinzip zu experimentieren. Als Geburtsstunde des Akkordeons gilt das Jahr 1829, als der Wiener Instrumentenbauer Cyrill Demian ein Instrument mit dem Namen „Accordion“ patentieren ließ. Es war klein, transportabel – und klanglich revolutionär. Im Laufe des 19. Jahrhunderts verbreitete sich das Akkordeon schließlich rasant über Europa und darüber hinaus. Zentren des Instrumentenbaus entstanden unter anderem in Wien, im Vogtland und später in Italien. Mit der Industrialisierung wurde aus dem handwerklichen Einzelstück ein Serieninstrument – und aus dem Akkordeon ein musikalischer Begleiter für breite Bevölkerungsschichten.
Kennen tun die meisten das Akkordeon aus der Volksmusik – als Klang von regionaler Tradition. Dieses Bild ist nicht falsch, aber unvollständig. Längst hat sich das Instrument aus diesem Rahmen gelöst. Man hört es heute in Filmmusiken, auf großen Konzertbühnen und im Repertoire der zeitgenössischen Klassik ebenso wie in Bearbeitungen barocker und klassischer Werke. Gerade diese Präsenz jenseits des Folkloristischen hat dem Akkordeon einen festen Platz in der Kunstmusik verschafft.
In der populären Wahrnehmung taucht das Akkordeon zum Beispiel häufig in der Filmmusik auf. Bei Yann Tiersen ist das Instrument etwa Teil der Originalinstrumentierung aus Die fabelhafte Welt der Amélie:
Darüber hinaus hat das Akkordeon längst den Weg in die klassische Konzertpraxis gefunden. Werke von Johann Sebastian Bach, Wolfgang Amadeus Mozart oder Domenico Scarlatti erklingen heute regelmäßig in Bearbeitungen: Fugen, Inventionen, Sonaten und Konzerte profitieren vom Klang des Akkordeons und dessen klaren Stimmtrennung sowie seiner direkten Kontrolle über Artikulation und Dynamik:
Seine eigentliche Heimat in der Klassik hat das Instrument jedoch im 20. und 21. Jahrhundert gefunden. Komponistinnen und Komponisten wie Sofia Gubaidulina oder Luciano Berio haben das Akkordeon bewusst als eigenständiges Konzertinstrument eingesetzt und sein klangliches wie expressives Potenzial ausgelotet. Spätestens hier wird klar: Das Akkordeon ist in der klassischen Musik nicht Gast, sondern fester Bestandteil eines lebendigen Repertoires.
Dass das Akkordeon 2026 zum Instrument des Jahres gewählt wurde, ist deshalb mehr als ein symbolisches Zeichen. Die Auszeichnung rückt ein Instrument ins Licht, das sich zwischen Tradition und Gegenwart bewegt und dabei stilistische Grenzen mühelos überschreitet. Vom Volksinstrument über die Filmmusik bis hin zur zeitgenössischen Kunstmusik hat sich das Akkordeon einen festen Platz im Musikleben erarbeitet. Das Jahr 2026 lädt nun dazu ein, dieses Facettenreichtum neu zu entdecken – im Konzertsaal ebenso wie jenseits gewohnter Hörbilder.
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